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Amateurfunk

Wie geht’s weiter mit dem Notfunk?

Perspektiven für den Amateur-Notfunk im Zeitalter der Digitalisierung

Zusammenfassung

Die Möglichkeit, bei Notfällen über Funk zu helfen, gehört zum Gründungsmythos des Amateurfunks. Für mich jedenfalls waren es auch solche romantischen Ideen, die mich im relativ zarten Alter von 14 Jahren zum Amateurfunk führten, zunächst als SWL, zwei Jahre später auch mit Lizenz.

Doch kann diese Fähigkeit zu helfen heute noch eine Rolle spielen, wo wir doch umgeben sind von bis vor kurzem noch unfassbar leistungsfähiger Kommunikationstechnik? Wo sind die Felder, auf denen wir unsere Hilfe nicht nur anbieten können, sondern wo unsere Hilfe auch angenommen wird, noch dazu in einem hoch entwickelten Land mit recht gut funtionierendem Bevölkerungsschutz?

Luftnot, Seenot!

Als ich ein Junge war, gehörte mein Herz nicht nur dem Funk, sondern auch der Seefahrt. Ich träumte davon, einmal ein Schiff in Seenot zu hören, die Seenotrettung zu alarmieren, Leben zu retten. Solche Gelegenheiten boten sich dem Amateurfunk durchaus, wie der wohl erste Notfunk-Artikel unserer Clubzeitschrift (damals noch CQ, heute cq-dl) aus dem Jahr 1948 zeigt.

"SOS Flugboot, 1948"

Quelle: CQ, 2/1948.

Sowas gibt es heute nicht mehr. Der Seefunk auf Kurzwelle ist Satellitenverbindungen gewichen, der Flugfunk über See ebenfalls, automatische Systeme wie ADS-B erlauben fast weltweites Tracking. Keine Rolle für den Amateurfunk.

Aber stimmt das wirklich?

Als im Herbst 2012 der Hurricane Sandy die Ostküste der USA hinauf raste, geriet das Vollschiff Bounty in seine unheilvolle Bahn — ein Nachbau des britischen Schiffes, das durch seine Pazifik-Fahrt und ihr unrühmliches Ende durch Meuterei berühmt wurde. Die Bounty, für einen Film nachgebaut, aber im Maßstab 1,5:1, damit die Filmtechnik auch in den Innenraum passte. Das Festland war zu weit für den UKW-Seefunk, das Satellitentelefon versagte. Der Kapitän, lizenzierter Funkamateur, verwendete seinen Kurzwellentransceiver und das Winlink-Programm, um per Email die Position bekannt zu geben und die US Coast Guard zu alarmieren. Dies gelang, viele Menschenleben wurden gerettet, vornehmlich Jugendliche. Der Kapitän, tragisch, ging mit der Bounty unter.

Meine XYL Christiane, DG3DY, und ich hatten die Bounty nur wenige Wochen zuvor im Hafen von Castine, Maine, besucht und uns mit Mitgliedern der Besatzung unterhalten. So hatte diese Tragödie eine sehr persönliche Note.

"Die Bounty im Hafen von Castine, ME"

Die Bounty im Hafen von Castine, Maine

Die romantische Note des Amateur-Notfunks, es gibt sie noch. Im Weiteren allerdings soll es um, nun ja, realistische Szenarien näher an Zuhaus gehen.

Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken

Die SWOT-Analyse (strengths, weaknessen, opportunities, threats) ist ein Klassiker der Management-Techniken. Wir wollen mal schauen, was diese Analyse für die Rolle des Amateurfunks bei Notlagen so liefert.

Stärken

Unsere größte Stärke: wir sind schon da. Es gibt immer noch recht viele von uns, wir sind überall zu finden, in den Städten ebenso wie auf dem Land. In einem Schadensereignis brauchen wir nicht erst anzurücken.

Wir können kommunizieren. Das ist unser Hobby, wir haben unsere eigenen Ressourcen und wahrscheinlich zehnmal mehr Funkverbindungen abgewickelt als viele ehrenamtliche Helfer im Katastrophenschutz.

Wir haben Know-How. Das mussten wir in einer fachlichen Prüfung nachweisen, deren technischer Gehalt die Ausbildungen für Fernmeldepersonal in den BOS, den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, weit hinter sich lässt.

Wir sind flexibel. Durch Portabelaktivitäten, Summits on the Air-Aktivierungen oder Fielddays sind wir es gewöhnt, zu improvisieren und unabhängig von Infrastruktur Verbindungen aufzubauen.

Schwächen

Nicht jeder von uns ist ein Notfunker, genauso wenig, wie jeder von uns ein Contester ist. Das ist völlig ok, nur sollten wir nicht falsche Erwartungen wecken.

Wir sind nicht organisiert, zumindest nicht so, wie es sich die BOS vorstellen. Der DARC ist keine Organisation mit Katastrophenschutz-Aufgaben. Ich bin bei Kontakten zu einem Regierungspräsidium dieser Annahme aber durchaus schon begegnet.

Chancen

In dem Maße, in dem Kommunikationsnetze leistungsfähiger werden, werden sie auch anfälliger; gleichzeit steigt die Abhängigkeit von ihrem Vorhandensein. Funktechnik in alter Analogtechnik kann ich oft noch mit einfachen Mitteln in Stand setzen. Im TETRA-Sprechfunk geht das nicht — mal abgesehen von der technischen Ausstattung fehlen hier die notwendigen Berechtigungen. Unsere Fähigkeit, ohne oder über andere Infrastrukturen zu kommunizieren wird vielleicht seltener gebraucht, dafür aber weitaus wichtiger.

Die technischen Anforderungen bei den BOS steigen. Das betrifft nicht nur die Sprechfunktechnik und den Übergang von analog nach digital. Verstärkt werden computerunterstützte Prozesse in der Einsatzführung eingesetzt, WLAN-Verbindungen an Einsatzstellen sind durchaus üblich. Unsere technischen Kenntnisse und Erfahrungen sind hoch willkommen.

Die Zeiten, in denen Sanitätsorganisationen und Feuerwehren bei der Gewinnung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer aus dem Vollen schöpfen konnten, sind vorbei. Funkamateure, die sich primär um Information und Kommunkation kümmern, machen Personal frei für andere Aufgaben.

Und schließlich können wir unsere große Stärke ausspielen, in dem in den entscheidenden Minuten und Stunden nach Eintritt eines großen Schadensereignisses aus unserer unmittelbaren Umgebung berichten, noch bevor die zuständigen Behörden und Organisationen vor Ort sein können. Situational Awareness nennt man so etwas im angelsächsischen Raum.

Risiken

Unsere größte Schwäche: wir sind, global gesehen, zu alt. Die Arbeit „vor Ort“ im Katastrophenschutz fordert eine gewisse physische Fitness und Gesundheit.

Die zuständigen Behörden und Organisationen kennen uns nicht oder nicht genügend. Übereinkommen zwischen DARC und Landesministerien sind nett, helfen aber an der Basis wenig — auf Kreis- oder Gemeindeebene. Dort wird aber darüber entschieden, ob wir zum Einsatz kommen.

Und es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass die Kommunikationsmöglichkeiten der BOS immer leistungsfähiger werden. Alle Fahrzeuge sind mit Funkgeräten ausgestattet, auch Handfunkgeräte gibt es zuhauf, Datenübertragung über LTE wird immer häufiger. An Funkgeräten besteht definitiv kein Mangel.

Organisationsbeispiele

Notfunk-Leuchtürme

Unseren großen Vorteil, schon vor Ort zu sein, nutzt das Projekt Notfunk-Leuchttürme. Die Idee ist, dass Funkamateure im Notfall (vor allem einem fläcendeckenden Stromausfall) netzunabhängige Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen, und zwar unmittelbar an ihrem Wohnort — entweder zuhaus oder z.B. in einem örtlichen Feuerwehrhaus. Dies entspricht völlig dem Projekt Kat-Leuchtürme, das das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in den Jahren 2012 bis 2015 durchgeführt hat.

Da Funkamateure hier am eigenen Standort oder in der Nähe aktiv werden, stellen sich keine wesentlichen logistischen Probleme, und auch die Alarmierung ist unproblematisch – die Funkamateure stellen schließlich selbst fest, dass eine Notlage eingetreten ist und wissen, was zu tun ist. Mit etwas Öffentlichkeitsarbeit sind sie bei ihren Nachbarn als Notfall-Ressource bekannt, auch dies kann bei Streitigkeiten um Antennenanlagen, gegenseitigen Störungen usw. von unschätzbarem Vorteil sein.

Nicht übersehen werden darf, dass einige Vorbereitung von Nöten ist:

  • Die eigene Station muss zuverlässig über mehrere Tage netzunabhängig funktionieren.
  • Teilnehmende Funkamateure müssen erkennen können, ob eine Notfallmeldung aus der Bevölkerung hinreichend vollständig ist. Das vielleicht noch aus dem Erste-Hilfe-Kurs bekannt W-Schema ist hier hilfreich.
  • Teilnehmende Funkamateure müssen geeignete Meldewege kennen, um Nachrichten weiter zu geben. Dazu ist auch eine „Leitstelle“ von Nöten, die über sichere Nachrichtenwege zu Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Katastrophen-Einsatzstäben, je nach Lage, verfügt.

Ich habe selbst schon einmal so etwas ähnliches organisiert, nämlich zur Jahreswende 1999/2000, als die Angst vor dem „Millenium-Bug“ umging, vor allem die Vorstellung, dass pünktlich um Mitternacht Stromversorgung und Kommunikation ausfallen könnten.

Aus diesem Grund organisierten wir im Auftrag der Stadt Ulm als unterer Katastrophenschutzbehörde ein Netz von Amateurfunkstationen, die über das Ulmer 2m-Relais DB0TF Kontakt hielten (für Notstrombetrieb ertüchtigt). Die „Leitstelle“ war bei der Ulmer Rettungsleitstelle eingerichtet und nutzte deren Notstromversorgung. Ein OM im aktiven Polizeidienst konnte die Verbindung zu seiner Dienststelle sicherstellen; die Verbindung zur Feuerwehrleitstelle Ulm lief über den 4m-BOS-Funk.

Den örtlichen Rotkreuz-Gruppierungen wurde mitgeteilt, welche Amateurfunkstationen in ihrer Nähe ansprechbar waren. Das Netz umfasste den ganzen Alb-Donau-Kreis und Teile des Kreises Biberach.

Das Netz wurde zweimal vor Mitternacht und einmal nach Mitternacht aktiviert, es funktionierte vorbildlich. Gebraucht haben wir es nicht, aber das ist ja völlig ok.

"Funknetz Millenium Ulm"

Funkskizze des Milleniumseinsatzes Ulm und Alb-Donau-Kreis

 

Notfunk Deutschland e.V.

Vor allem in Hessen versucht eine Gruppe von Funkamateuren, dezidierte Notfunk-Strukturen aufzubauen und lizenzierte Helfer speziell für den Einsatz auszubinden:
„Notfunk Deutschland e.V.“. Ihr sehr professioneller Notfunk-Anhänger ist vielleicht von der Ham Radio Friedrichshafen bekannt, oder von anderen Ausstellungen, wie der PMR Expo.

Der Vorteil ist hier, dass es eine den anderen BOS verständliche und daher gut vermittelbare Struktur gibt, ferner Helfer und Helferinnen mit guter und vor allem einheitlicher Ausbildung. Die für den Einsatz vorgesehene Infrastruktur ersetzt zu einem guten Teil die ansonsten zu beobachtende fehlerträchtige Improvisation.

Allerdings gibt es nur wenige Gruppen dieser Art, und die persönlichen finanziellen Opfer für Kommunikations-Infrastruktur und persönlicher Schutzausrüstung sind signifikant, wenn sich kein Sponsor findet. Wie bei etablierten Katastrophenschutz-Einheiten auch, dürfen die logistischen Probleme beim Einsatz weitab von Zuhaus nicht übersehen werden. Das beginnt schon bei der Anfahrt ins Schadensgebiet und endet noch nicht bei Unterkunft und Verpflegung.

Zudem stehen solche Gruppen in Konkurrenz zu IuK-Einheiten (Information und Kommunikation) der Hilfsorganisationen. Dies bedeutet unweigerlich, dass die Einsatzwahrscheinlichkeit abnimmt. Auch unterhalb der Katastrophenschwelle gibt es mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten, etwa bei geplanten Großereignissen, bei denen aber in aller Regel die hilfsorganisationseigenen Gruppierungen zum Zug kommen. Immer nur üben und nie etwas anwenden dürfen, das schlägt langfristig auf die Motivation durch.

AG Kommunikationstechnik des DRK Ulm

„Einsatzleitwagen des DRK"

Einsatzleitwagen des DRK, von Funkamateuren besetzt, beim Mountain-Bike-Marathon, in der Nähe von Obermarchtal

In Ulm pflegen wir seit vielen Jahren ein anderes Schema: wir sind eine Gruppe von lizenzierten Funkamateuren, die sich innerhalb des DRK Kreisverbandes Ulm als „Arbeitskreis Kommunikationstechnik“ organisiert hat. WIr sind eng in die Strukturen des DRK eingebunden und unterstützen die Kolleginnen und Kollegen regelmäßig bei großen, in der Regel geplanten, Einsätzen. vor allem großen Sportveranstaltungen mit ausgedehnten Einsatzgebieten, wie dem Einstein-Marathon in Ulm oder dem Mountain-Bike-Marathon im südlichen Alb-Donau-Kreis. Der Anlass für unseren Einsatz kann dabei unterschiedlicher Natur sein: entweder es gibt ein großes Nachrichtenaufkommen in einem an sich mit Kommunikationswegen gut versorgten Gebiet (so der Einstein-Marathon), oder aber Einsätze in ländlichen Gebieten mit unzureichender Kommunikationsversorgung (etwa der Mountain-Bike-Marathon).

Wir bringen hier vor allem unsere technische und betriebliche Expertise ein. Der Funkverkehr wird ganz überwiegend mit Geräten und auf Frequenzen des DRK abgewickelt. Allerdings errichten wir auch immer ein Funknetz auf Amateurfunk-Frequenzen, das unsere interne Kommunikation trägt und zuweilen als Rückfallebene trägt. Bei einigen unserer Einsätze stehen entlang der Strecke an (funktechnisch) kritischen Stellen immer auch Funkamateure.

„Relais-Aufbau am Fort Albeck bei Ulm"

Aufbau eines temporären 4m-BOS-Relais am Fort Albeck, Ulm

Für die Einsätze bauen wir Relaisfunkstellen im 4m- und 2m-BOS-Band (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) auf, wir bauen und betreiben temporäre Leitfunkstellen, entweder in Fahrzeugen des DRK oder auch ortsfest. Wir untersuchen mögliche Verbindungslinien durch Geländeschnitte. Wir errichten, wo nötig, temporär Antennenanlagen. Wir führen Notfall-Reparaturen auch schon mal während des Einsatzes durch. Natürlich können im Prinzip die Hilfsorganisationen das auch mit eigenem Personal leisten. Funkamateure haben aber meist sehr viel mehr Erfahrungen, mehr eigene Werkzeuge und Messmittel. Und die zusätzlichen „Köpfe“ sind mittlerweile hoch willkommen bei eigentlichen allen Organisationen, die in der Regel erhebliche Probleme mit dem Nachwuchs haben.

 

Dass diese IuK-Einheit DRK-intern immer nur „die Funkamateure“ heißt, ist ein schöner Achtungserfolg. Bei den aktiven Rotkreuzlern in Ulm und um Ulm herum jedenfalls sind die Fähigkeiten der Funkamateure gut bekannt.

"Funkbetrieb im Einsatzleitwagen"

Rolf, DL6SL, und Christiane, DG3DY, in Aktion im Einsatzleitwagen

 

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Wie geht’s weiter mit dem Notfunk?

  1. Alexander Becht mit Beitrag vom 28.12.2017:

    Als langjähriger und auf einigen Ebenen auch auf Landesebenen tätiger BOS-Verantwortlicher sehe ich mich zu nachstendem Kommentar veranlasst; dies übrigens als Nicht-Funkamateur :

    Es ist teilweise falsch, was in den vorstehenden Berichten hier im Forum zur Notfunk-Thematik festgestellt wurde. Der Notfunk des DARC ist mit Sicherheit eine zu früherer, aber auch zu heutiger Zeit wichtigen Einrichtung geworden, wenn er denn richtig praktiziert wird. Der „Umstand“ , das Amateurfunker eine Lizenz benötigen, ist nur in etwa gleichzustellen mit dem Sprechfunkzeugnis der BOS, wenn gleich hier – mit Ausnahme der Bedienung der sehr unterschiedlichen BOS-Geräte – auf das technische knowhow der „BOS-Funker“ zu Recht kein Wert gelegt wird, da ja nicht „gebastelt“ werden muss, denn die BOS-Geräte sind fertige Geräte zusammen mit den Antennenanlagen und Relaisstellen, die einer Technischen Richtlinie (TR-BOS) unterliegen und nur durch autorisierte Werkstätten instandgesetzt oder errichtet werden dürfen. So liegt der Schwerpunkt der BOS-Sprechfunkausbildung – die Voraussetzung für das Erlangen der BOS-Sprechfunkberechtigung ist – primär auf gesetzlichen Grundlagen und dem praktischen Üben des Bedienens der BOS-Technik und dem vorschriftsmäßigen Umsetzen von BOS-Funkgesprächen.

    Im Hinblick auf die neue Digitalfunktechnik, die keineswegs in allen Bundesländern schon einwandfrei funktioniert (teils noch gar nicht) und die schier unzählbaren Mängel, die diese neue Technologie (die exakt betrachtet schon viele Jahre „alt“ ist) begleiten, kann der Notfunk wertvolles, teils sogar unverzichtbares „Ultima Ratio“ werden, da nicht nur bei technischem Versagen des Digitalfunks kleinere Bereiche betroffen sind, sondern meist großflächige Regionen, die auch den Betrieb der Leitstellen (soweit diese schon Digitalfunk-ertüchtigt sind) zum Stillstand bringen, und dies – wie mehrfach schon geschehen – nicht nur wenige Minuten, sondern Stunden und sogar mehrere Tage. Betrachtet man hierzu zusätzliche , so genannte „Black-Out“ – Vorkommnisse, die dazu führen, dass der „Not“-Strom , mit dem die meisten Digitalfunk-Basisstationen versehen sind, schnell verbraucht wird auch durch die für diese Stationen zwingend notwendige „Kühlung“ , reduziert sich die angeblich längerfristige „Notstrom-Versorgung“ um viele Stunden und steht der eigentlichen Aufgabe – nämlich die Funktechnik der Basisstation zu versorgen – gar nicht ausreichend zur Verfügung. Die Folgen : Stunden-und tagelanger Ausfall des Digitalfunks und der zu solch´ einem Bereich zuständigen Leitstelle/n. Nichts geht dann mehr……… und man muss auf den Analogfunk zurück greifen – soweit dieser nicht durch unbelehrbare Verantwortliche (die meist der politischen Schiene zugeordnet sind) zurück gebaut oder gar schon verschrottet wurde.

    Spätestens hier und in solchen Situationen kann und soll der Notfunk des DARC „rettender Engel“ sein , weil die technischen Möglichkeiten der Funk-Amateure weitaus unbegrenzter, vielfältiger und umfangreicher sind, und „knochige“ BOS-Richtlinien – bis auf wenige Ausnahmen – unbeachtet bleiben können.
    Natürlich unterliegen alle Nachrichten, die die BOS drahtgebunden oder drahtlos übermittelt, grundsätzlich der Geheimhaltungspflicht, zusammen mit weiteren gesetzlichen Auflagen des Telekommunikationsgesetzes (TGK), der BOS-Funkrichtlinie u.a.m. Dies führt mit sich, dass sich Funkamateure, die im Notfunk mitwirken (mitwirken wollen), im Vorfeld schon zumindest einer gesetzlich vorgeschriebenen Geheimhaltungspflicht-Unterweisung/Belehrung unterziehen müssen und einigen weiteren, gesetzlichen Auflagen, die allesamt aber im Rahmen einer vier-bis 8-stündigen, theoretischen Unterweisung ordentlich und gesetzeskonform abgehandelt werden können. Unter Berücksichtigung des erfreulichen „Umstands“ , dass unzählige Funkamateure „nebenbei“ (also ehrenamtlich) schon einer BOS-Institution (Hilfsorganisationen wie das DRK, dem ASB, der DLRG, der JUH und dem MHD oder dem THW und der Feuerwehr) angehören, oder hauptberuflich diesbezüglich tätig sind, reduziert in diesen Fällen die vorgenannte Unterweisungsnotwendigkeit quantitativ um ein Vielfaches.
    Dass darüber hinaus der Gesetzgeber schon vor einigen Jahrzehnten u.a. auch die Amateurfunker für das Mitwirken in Notsituationen/Notlagen/Großschadenlagen legitimisiert hat, sollte von amtlichen Stellen und BOS-Verantwortlichen unbedingt beachtet und !! berücksichtigt werden. Gerade diese (völlig vermeidare „Schwelle“ wurde und wird nicht selten ein erster „Hemmschuh“ für das (immer nur unterstützende) Mitwirken von DARC-Notfunkern in der BOS.
    Wenn dann die Verantwortlichen des DARC (und dessen Unterorganisationen, Ortsverbände, etc.) letztlich darauf achten, dass die im Notfunk mitwirkenden Funk-Amateure ausschließlich bestens gebriefte, gut ausgebildete und BOS-unterwiesene Personen sind, dann sind längst schon hervorragende Voraussetzungen für die Mitarbeit in der BOS gegeben. So – wie auch in den vorgenannten Hilfsorganisationen – es einige „überwichtige“ , stets „besserkönnende“ Chaoten gibt, die schon organisatonsintern vieles Gutes und Funktionierendes zerstören, gibt es diese in Einzelfällen natürlich auch im DARC. Und hier bedarf es durch die diesbezüglichen DARC-Verantwortlichen des Trennens von „Spreu und Weizen“ , weil ansonsten die BOS und deren Verantwortliche nur allein schon aus solchen Gründen dem DARC völlig unnötig Absagen erteilen. Denn weder eine Hilfsorganisation noch der DARC darf pauschal für das Fehlverhalten von einzelnen Mitgliedern „verurteilt“ werden, oder gar Nachteile erfahren. Hier sind also bereits auf „unterster“ Stufe die Vorgesetzten innerhalb der HIOs und die Verantwortlichen der DARC-Einrichtungen gefordert, entsprechend „richtig zu handeln“ !!!

    Letztlich sind dann – um das unterstützende Mitwirken des DARC bereits schon vor !! möglichen Notlagen sicherstellen und organisieren zu können – die jeweils Verantwortlichen der BOS einerseits und die des DARC andererseits gefragt, bereits im Vorfeld alles Organisatorisches, Technisches und Gesetzliches zu klären und dies möglichst mit – jederzeit ergänzbaren – schriftlichen Vereinbarungen/Formulierungen auf kommunaler Ebene (aber auch auf Landkreis-und Regionsebenen bezogen) fest zu zurren. Hierbei sind – bekanntermaßen – sehr oft förderalistisch bedingte Schwierigkeiten, die nicht selten als „Prellböcke“ vorhanden sind und im öffentlichen Dienst diesbezügliche Entscheidungsvorhaben verzögern/verhindern/lahmlegen, entsprechend zu beachten, bzw. ist ihnen mit Verstand und Sachlichkeit zu begegnen.
    Darüber hinaus muss durch die BOS berücksichtigt werden, dass die „Notfunker“ i.d.R. keine über Funkmeldeempfänger (FME) oder Funktelefone (FuT) stets erreichbaren ehren-oder hauptamtlich tätige Einsatzkräfte sind. Dies führt mit sich, dass jeweils orts-und lagebedingte Verständigungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen, ohne das Stress und Hektik entsteht. In der Regel wird die Unterstützung des DARC bei Großlagen, etc. nicht an erster Stelle stehen (also nicht zum so genannten „ersten Abmarsch“ gehören). Vielmehr werden die eingangs genannten, möglichen, temporären Mängel und sich daraus rekrutierende, technische BOS-Notlagen) die Notwendigkeit der DARC-Notfunker erkennen lassen ; hierzu sind verträglich-realistische-zumutbare Erreichbarkeitsmöglichkeiten der DARC-Kräfte im Vorhinen zu organisieren. Soweit diese organisatorischen Erfordernisse erfüllt sind, bedarf es seitens der BOS-Verantwortlichen selbstverständlich der Notwendigkeit, auch die jeweils zuständige/n Leitstelle/n und weiteren Behörden über das Mitwirken und die Erreichbarkeit der „Notfunker“ zu informieren, denn die DARC-Kollegen benötigen – je nach technischer Erfordernis – ebenfalls recht umfangreicher Vorbereitungs-(Rüst-)Zeiten.-
    …………………………………………….
    Soviel zur Notwendigkeit vom DARC-Notfunk zur Unterstützung der BOS.
    …………………………………………….
    Alexander Becht
    28.12.17

    Verfasst von Alexander Becht | 2017-12-28, 13:27
  2. Alexander Becht mit Beitrag vom 28.12.2017:
    Als langjähriger und auf einigen Ebenen auch auf Landesebenen tätiger BOS-Verantwortlicher sehe ich mich zu nachstehendem Kommentar veranlasst; dies übrigens als Nicht-Funkamateur :
    Es ist teilweise falsch, was in den vorstehenden Berichten hier im Forum zur Notfunk-Thematik festgestellt wurde. Der Notfunk des DARC ist mit Sicherheit eine zu früherer, aber auch zu heutiger Zeit wichtigen Einrichtung geworden, wenn er denn richtig praktiziert wird. Der „Umstand“ , das Amateurfunker eine Lizenz benötigen, ist nur in etwa gleichzustellen mit dem Sprechfunkzeugnis der BOS, wenn gleich hier – mit Ausnahme der Bedienung der sehr unterschiedlichen BOS-Geräte – auf das technische knowhow der „BOS-Funker“ zu Recht kein Wert gelegt wird, da ja nicht „gebastelt“ werden muss, denn die BOS-Geräte sind fertige Geräte zusammen mit den Antennenanlagen und Relaisstellen, die einer Technischen Richtlinie (TR-BOS) unterliegen und nur durch autorisierte Werkstätten instandgesetzt oder errichtet werden dürfen. So liegt der Schwerpunkt der BOS-Sprechfunkausbildung – die Voraussetzung für das Erlangen der BOS-Sprechfunkberechtigung ist – primär auf gesetzlichen Grundlagen und dem praktischen Üben des Bedienens der BOS-Technik und dem vorschriftsmäßigen Umsetzen von BOS-Funkgesprächen.
    Im Hinblick auf die neue Digitalfunktechnik, die keineswegs in allen Bundesländern schon einwandfrei funktioniert (teils noch gar nicht) und die schier unzählbaren Mängel, die diese neue Technologie (die exakt betrachtet schon viele Jahre „alt“ ist) begleiten, kann der Notfunk wertvolles, teils sogar unverzichtbares „Ultima Ratio“ werden, da nicht nur bei technischem Versagen des Digitalfunks kleinere Bereiche betroffen sind, sondern meist großflächige Regionen, die auch den Betrieb der Leitstellen (soweit diese schon Digitalfunk-ertüchtigt sind) zum Stillstand bringen, und dies – wie mehrfach schon geschehen – nicht nur wenige Minuten, sondern Stunden und sogar mehrere Tage. Betrachtet man hierzu zusätzliche , so genannte „Black-Out“ – Vorkommnisse, die dazu führen, dass der „Not“-Strom , mit dem die meisten Digitalfunk-Basisstationen versehen sind, schnell verbraucht wird auch durch die für diese Stationen zwingend notwendige „Kühlung“ , reduziert sich die angeblich längerfristige „Notstrom-Versorgung“ um viele Stunden und steht der eigentlichen Aufgabe – nämlich die Funktechnik der Basisstation zu versorgen – gar nicht ausreichend zur Verfügung. Die Folgen : Stunden-und tagelanger Ausfall des Digitalfunks und der zu solch´ einem Bereich zuständigen Leitstelle/n. Nichts geht dann mehr……… und man muss auf den Analogfunk zurück greifen – soweit dieser nicht durch unbelehrbare Verantwortliche (die meist der politischen Schiene zugeordnet sind) zurück gebaut oder gar schon verschrottet wurde.
    Spätestens hier und in solchen Situationen kann und soll der Notfunk des DARC „rettender Engel“ sein , weil die technischen Möglichkeiten der Funk-Amateure weitaus unbegrenzter, vielfältiger und umfangreicher sind, und „knochige“ BOS-Richtlinien – bis auf wenige Ausnahmen – unbeachtet bleiben können.
    Natürlich unterliegen alle Nachrichten, die die BOS drahtgebunden oder drahtlos übermittelt, grundsätzlich der Geheimhaltungspflicht, zusammen mit weiteren gesetzlichen Auflagen des Telekommunikationsgesetzes (TGK), der BOS-Funkrichtlinie u.a.m. Dies führt mit sich, dass sich Funkamateure, die im Notfunk mitwirken (mitwirken wollen), im Vorfeld schon zumindest einer gesetzlich vorgeschriebenen Geheimhaltungspflicht-Unterweisung/Belehrung unterziehen müssen und einigen weiteren, gesetzlichen Auflagen, die allesamt aber im Rahmen einer vier-bis 8-stündigen, theoretischen Unterweisung ordentlich und gesetzeskonform abgehandelt werden können. Unter Berücksichtigung des erfreulichen „Umstands“ , dass unzählige Funkamateure „nebenbei“ (also ehrenamtlich) schon einer BOS-Institution (Hilfsorganisationen wie das DRK, dem ASB, der DLRG, der JUH und dem MHD oder dem THW und der Feuerwehr) angehören, oder hauptberuflich diesbezüglich tätig sind, reduziert in diesen Fällen die vorgenannte Unterweisungsnotwendigkeit quantitativ um ein Vielfaches.
    Dass darüber hinaus der Gesetzgeber schon vor einigen Jahrzehnten u.a. auch die Amateurfunker für das Mitwirken in Notsituationen/Notlagen/Großschadenlagen legitimisiert hat, sollte von amtlichen Stellen und BOS-Verantwortlichen unbedingt beachtet und !! berücksichtigt werden. Gerade diese (völlig vermeidare „Schwelle“ wurde und wird nicht selten ein erster „Hemmschuh“ für das (immer nur unterstützende) Mitwirken von DARC-Notfunkern in der BOS.
    Wenn dann die Verantwortlichen des DARC (und dessen Unterorganisationen, Ortsverbände, etc.) letztlich darauf achten, dass die im Notfunk mitwirkenden Funk-Amateure ausschließlich bestens gebriefte, gut ausgebildete und BOS-unterwiesene Personen sind, dann sind längst schon hervorragende Voraussetzungen für die Mitarbeit in der BOS gegeben. So – wie auch in den vorgenannten Hilfsorganisationen – es einige „überwichtige“ , stets „besserkönnende“ Chaoten gibt, die schon organisationsintern vieles Gutes und Funktionierendes zerstören, gibt es diese in Einzelfällen natürlich auch im DARC. Und hier bedarf es durch die diesbezüglichen DARC-Verantwortlichen des Trennens von „Spreu und Weizen“ , weil ansonsten die BOS und deren Verantwortliche nur allein schon aus solchen Gründen dem DARC völlig unnötig Absagen erteilen. Denn weder eine Hilfsorganisation noch der DARC darf pauschal für das Fehlverhalten von einzelnen Mitgliedern „verurteilt“ werden, oder gar Nachteile erfahren. Hier sind also bereits auf „unterster“ Stufe die Vorgesetzten innerhalb der HIOs und die Verantwortlichen der DARC-Einrichtungen gefordert, entsprechend „richtig zu handeln“ !!!
    Letztlich sind dann – um das unterstützende Mitwirken des DARC bereits schon vor !! möglichen Notlagen sicherstellen und organisieren zu können – die jeweils Verantwortlichen der BOS einerseits und die des DARC andererseits gefragt, bereits im Vorfeld alles Organisatorisches, Technisches und Gesetzliches zu klären und dies möglichst mit – jederzeit ergänzbaren – schriftlichen Vereinbarungen/Formulierungen auf kommunaler Ebene (aber auch auf Landkreis-und Regionsebenen bezogen) fest zu zurren. Hierbei sind – bekanntermaßen – sehr oft föderalistisch bedingte Schwierigkeiten, die nicht selten als „Prellböcke“ vorhanden sind und im öffentlichen Dienst diesbezügliche Entscheidungsvorhaben verzögern/verhindern/lahmlegen, entsprechend zu beachten, bzw. ist ihnen mit Verstand und Sachlichkeit zu begegnen.
    Darüber hinaus muss durch die BOS berücksichtigt werden, dass die „Notfunker“ i.d.R. keine über Funkmeldeempfänger (FME) oder Funktelefone (FuT) stets erreichbaren ehren-oder hauptamtlich tätige Einsatzkräfte sind. Dies führt mit sich, dass jeweils orts-und lagebedingte Verständigungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen, ohne das Stress und Hektik entsteht. In der Regel wird die Unterstützung des DARC bei Großlagen, etc. nicht an erster Stelle stehen (also nicht zum so genannten „ersten Abmarsch“ gehören). Vielmehr werden die eingangs genannten, möglichen, temporären Mängel und sich daraus rekrutierende, technische BOS-Notlagen) die Notwendigkeit der DARC-Notfunker erkennen lassen ; hierzu sind verträglich-realistische-zumutbare Erreichbarkeitsmöglichkeiten der DARC-Kräfte im Vorhinein zu organisieren. Soweit diese organisatorischen Erfordernisse erfüllt sind, bedarf es seitens der BOS-Verantwortlichen selbstverständlich der Notwendigkeit, auch die jeweils zuständige/n Leitstelle/n und weiteren Behörden über das Mitwirken und die Erreichbarkeit der „Notfunker“ zu informieren, denn die DARC-Kollegen benötigen – je nach technischer Erfordernis – ebenfalls recht umfangreicher Vorbereitungs-(Rüst-)Zeiten.-
    …………………………………………….
    Soviel zur Notwendigkeit vom DARC-Notfunk zur Unterstützung der BOS.
    …………………………………………….
    Alexander Becht
    28.12.17

    Verfasst von Alexander Becht

    Verfasst von Alexander Becht | 2017-12-28, 15:13
    • Lieber OM Becht,
      herzlichen Dank für Ihren ausführlichen und wichtigen Beitrag. Ich denke, wir sind da weitestgehend einer Meinung. Natürlich ist der BOS-Funk keine Spielwiese für’s Basteln, allerdings erlebe ich es wieder, dass bei Problemen die Fehleranalyse erfahrenen Funkamateuren sehr viel leichter fällt (eine SWR-Brücke und ein Multimeter kommen da schon sehr weit), und 90% der Probleme lassen sich sehr leicht beheben (Stromversorgung, Antennenzuleitungen …).
      Grundlegende Übereinkommen zwischen DARC und Katastrophenschutzbehörden auf Länderebene sind hilfreich, wobei der sinnvolle Einsatz an der „Basis“ entschieden werden muss. Da halte ich, wie wohl auch Sie, Funkamateure mit gleichzeitiger Mitgliedschaft in einer BOS für die wichtigste Brücke. Das wollte ich mit meinem Artikel zu Ausdruck bringen. Das erleichtert auch die Alarmierung immens.
      Herzlichen Gruß und ein glückliches und friedliches neuen Jahr,
      Hermann Schumacher

      Verfasst von Hermann Schumacher | 2017-12-28, 20:29
    • Sowohl als IuK-Mitstreiter, als auch AFU-Aktivist sehe ich zwei Ansätze, die inhaltlich nur die Funktechnologie „verbindet“. Solange aber die jeweiligen Hintergründe (und Hinderungsaspekte) nicht wirklich verstanden und tragfähig abgearbeitet werden; erscheinen nur persönlich motiviert durchgehaltene Vorstöße auf beiden Seiten erfolgversprechend zu sein.

      Für eine nachhaltige AFU-Notfunkakzeptanz muss der BOS-FuG-Sektor überhaupt erst einmal seine eigene IuK-Realisierungsgrundlage verstanden haben. Die meisten BOS-Führungsverantwortungen (oberhalb von Zugführern oder hauptamtlicher Abteilungsebene) vertrauen auf eine grundsätzliche analoge oder digitale Nutzbarkeit in sämtlichen nur denkbaren Einsatzanforderungen, was aber insgesamt noch niemals gestimmt hat, und auch zukünftig nicht gegeben sein wird.

      Dieses verdrängte Problembewusstsein ergibt sich aus dem üblich ablaufenden BOS-Tagesgeschäft (Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Feuerwehr, aber auch Polizeiüberlegungen) welches irgendwie (ggf. mit bekannten Macken) „funktechnisch“ bewältig wird; und sicherlich über gewisse Reserven für besondere Lagen und Krisensituationen verfügt. Nichts anderes wird von politischen Entscheidungsträgern bis zum Beweis des Gegenteils so gesehen.

      Eine angemessene Risikovorbereitung auf technisch-taktisch ausgefallenere BOS-Herausforderungen läuft derzeit auf ein vielfältiges Zocken unter IuK-Blickwinkel hinaus (was allerdings von den überwiegenden, oft nur unklar für IuK insgesamt zuständigen BOS-Führungsrollen faktisch „in Kauf genommen“, oder durch aktives bzw. verdrängendes Liegen lassen verniedlich wird). Anstelle sich organisatorische und personell auf IuK-Anforderungsausnahmen strukturell vorzubereiten, wird viel zu nachlässig eher auf den kommerziellen Mobilfunk bzw. das mobile Internet (GSM, UMTS, LTE) vertraut, womit ja möglicherweise fallweise aufgetretene Kommunikationsdefizite erst gar nicht (nach außen) erkennbar wurden. Was kann denn dann noch passieren!
      Wenn inzwischen SEK-Fahndungsabstimmungen über „Whatsapp“ toleriert, und ELW-Zugriffe auf stationäre IT-Server per LTE favorisiert werden, lässt sich nicht von IuK-Bedenkenträgern (jederzeitige Rückfall auf die Papierebene für Krisenoptionen beibehalten) beeinflussen!
      Ausgewiesene IuK-Expertise hatten früher in der eigenen BOS-Truppe einen völlig anderen Stellenwert, als die Mobilfunkoptionen noch nicht so verbreitet waren. Jeder einschlägige Internet- oder Smartphone-Nutzer weiss doch heute augenscheinlich selbst wo es lang geht! ODER?

      Regelmäßig beanstandete IuK-Problematiken bei flächenmäßig umfangreicheren Kommunikationsherausforderungen, erst recht bei überregionalen BOS-Einsatzszenarien, bezüglich tragfähig erforderlicher Führungskommunikationsstrukturen werden immer noch als absolute Ausnahmefälle zwar schulterzuckend bedauert, aber nicht nachhaltig durch welche nicht wirklich im Detail greifbaren BOS-IuK-Zuständigkeit aufgearbeitet. Im nPol-Sektor stehen nun mal lokal zeitbegrenzte BOS-Kommunikationsherausforderungen (Rettungstransportabläufe, technisch begrenzte Hilfeleistungen, singuläre Brandbekämpfung innerhalb weniger Stunden) überdeutlich im Vordergrund; und die laufen doch irgendwie (siehe oben). Und wenn doch mehr erforderlich sein sollte, wird der lokale Einsatzleiter bzw. BOS-Chef kurzfristig vor Ort (!) entsprechend entscheiden (müssen). Autorität ersetzt halt die Fachkompetenz (und vernebelt partiell eindeutige Vorbereitungsverantwortungen).

      Es ist doch symptomatisch, das bundesweit nur ganz wenige ausgesuchte Feuerwehren neben dem THW und dem Roten Kreuz eine nennenswerte Anzahl von autark agierend IuK-Fachgruppen mit spezifischen IuK-Materialien und speziell ausgebildeten Fachkräften bzw. ehrenamtlichen Helfern vorhalten. Ein vorhandener und taktisch angemessen eingebundener ELW2, mit ggf. mehrere ELW1 mit jeweils (!) personeller Mindestbesatzungssicherheit ist zwar schon mehr als viel andere haben; aber ohne weitere Fernmeldereserven (FeKw / GW-IuK, Funkreserven, Telefon und LAN-Optionen, Internetanbindung über Distanzen, etc.) schnell am Ende eigener Möglichkeiten (neben dem eigentlich zuerst sicherzustellenden IuK-Betrieb).

      IuK-Fachgruppen sind bei größeren Übungsabläufen (nicht nur in flächenrelevant größeren Zusammenhängen), erst recht bei heißen Anforderungen über singuläre Anlässe hinaus, mehrfach zeitgleich (!) gefordert. Bei derartigen IuK-Anforderungen sammeln sich regelmäßig sämtliche taktisch-organisatorischen Versäumnisse (der eigenen Führung) aus der Vergangenheit, sobald die normalübliche IuK-Routine verlassen werden muss. Da dies (incl. Stromausfälle, Störung/Überlast Mobilfunk, etc.) nur recht selten (Gott sei Dank) vorkommt, resultiert daraus keine (weil kaum öffentlich nachhaltiges Interesse) wirkliche Beunruhigung in den BOS- oder gar politischen Führungsetagen.
      Mit wem genau soll denn vor diesem BOS-Hintergrund der Notfunk-Aktivist „vorbereitend“ reden. Ein wenig Small-Talk und Shake-Hands ist ja ganz nett; aber kaum nachhaltig und zielführend, wenn die BOS-Gewaltigen (inhaltliche Verantwortung?) ein Teil ihres eigenen Übertragungs- und Reserveproblems nicht wirklich verstanden haben oder verstehen wollen.

      AFU-Notfunk bedeutet national, oder zumindest regional gewährleistete Telekommunikation in Krisensituationen. Was ist eine Krise, und wie oft ist eine solche z.B. unter kommunalen oder regionalisierten BOS-Vorbereitungen wahrscheinlich? Aus dem Blickwinkel der zuständigen Exekutive (bis zu Ministerien) wird stets auf die BOS-Verantwortung verwiesen, sodass kein anderer Notfunk-Adressat in Frage kommt.
      Stromausfall über mehrere Stunden oder gar Tage; Hochwasser in großem Teil eines Kreisgebiet oder im Bundesland, Cyberwar-Attacke im Intranet bzw. Server der Stadtverwaltung? Überzogen; oder wie in öffentlich renommierten Studium als vordergründige Hoffnung „im Bereich des Undenkbaren“ angesiedelt! Die Nachteile von VoIP-Telefonie (Notruf, Kräftealarmierung, Rückmeldungen und Logistik) ohne Strom wird im virtuellen IP-Vernetzungszeitalter zum exponentiellen Kommunikationsrisiko.

      Wer käme denn überhaupt wie in welcher DARC- bzw. AFU-Struktur mit welcher persönlich helfenden Eigenerwartung und inhaltlich passender Vorbereitungsgrundlage (und wie schnell und zuverlässig auch bei Notfunkanforderungen mehrere Jahre nach einer wie auch immer vollzogenen BOS-Abstimmung)? BOS-Führungsgrundsätze (vgl. DV 100, 810, 830, 860) erscheinen manchem schon antiquarisch und überholt zu sein. Aber eine zeitnah gezielte AFU-Notfunkerledigung unter geselligen Technologiediskussionsabwägungen erscheint demgegenüber eher unwahrscheinlich. Wer ist der jeweilige AFU-Notfunkchef im Ring und steht für jedwede Notfunkbeauftragung gerade? Der erste AFU-Mitstreiter (auf welcher Verpflichtungsgrundlage) kommt mit einer IuK-Kiste im Privatauto; der nächste mit der persönlich motivierten Anhängerausstattung seiner regionalen Notfunkfunkgruppe (die technologisch zumindest kompatibel mit anderen AFU-Optionen bzw. Durchführungsbedingungen sein müsste).

      BOS-Anforderungen für den IuK-Bereich bedeuten Auftragserledigungen ggf. auch im Regen (zuzüglich Bekleidungs- und Unterbringungsaspekte), bei fallweise gar nicht oder zu spät gelieferten Essen; Routineabwicklungen für andere Führungsverantwortungen (die man zum Teil nicht kennt bzw. zu Gesicht bekommt) und möglicherweise sehr langes Warten in Bereitstellungsräumen oder zu besetzenden FM-Betriebszentralen. Funkübertragungsstrukturen bedeuten auf keinen Fall mehrfach nachgelagertes Probieren oder gar Basteln bis es halt irgendwann wie auch immer klappt!

      Eine durchgängig zu besetzende FM-Betriebsstelle, oder die Betriebsgarantie einer drahtlos etablierten bzw. zu unterhaltenden BOS-Übertragungsinfrastruktur ist kein Field-Day unter persönlicher Gestaltungshoheit, sondern eine IuK-Teamleistung unter erschwerten Realisierungsbedingungen (einschließlich BOS-intern gewährleistetem Support oder Entstörungskompetenz) mit mehreren Beteiligten!

      Aus der Distanz erscheinen manche regionalen Notfunkabsichten über das Verfolgen persönlicher Eigenheiten oder bestimmter technischer Sichtweisen bestimmt zu werden. Dies ist neben partiell zweifelhaft wahrgenommenem Geltungsbedürfnis wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum der Notfunkgedanke flächendeckend auf der Stelle tritt. Der AFU-Anspruch sowie funktechnisch persönliche Expertise mag noch so ehrenhaft sein. Ohne persönlich dauerhaft akzeptierte Einbindung in eine jederzeit transparent verfolgte AFU-Notfunkkonzeption (von wem auch immer praktikabel ausformuliert und daraufhin entsprechend gelebt), erst recht in ein BOS-geprägtes Einsatz- und Kameradschaftsverhalten, wird sonst nur durch eine gewaltige Anlaufstrecke zu überbrücken (wobei der eine oder andere Unbelehrbare verloren gehen wird) sein.

      Zeitnah zielführender erscheint ein vorsichtiges Einbringen bzw. persönliches Engagement bei einer der ehrenamtlich o.g. IuK-Fachgruppen zu sein. Wobei das AFU- bzw. Notfunkgedankengut mitgenommen aber nicht in der Vordergrund gestellt wird. Einerseits zeigt man so das man persönlich selbst bereit ist, sich bestehenden BOS-Regularien zu unterwerfen (die ja unter Notfunk-Gedanken unmittelbar unterstützt werden sollen). Andererseits können BOS-Rahmenbedingungen (Ausrückgrundlagen, Einsatzdurchführungen vom digitalen Sprechfunkdispositionsbetrieb bis zur IuK-Meldungsabwicklung, Fachvokabeln und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen BOS, etc.) tatsächlich gelebt und regelmäßig trainiert werden, denen dann partiell mit erweiterten AFU-Optionen „technisch“ gezielt unter die Arme gegriffen wird. Es ist kaum vorstellbar, das von lokalen IuK-Gruppen- oder Zugführungen weiter gehende IuK-Optionen „ausgeschlossen“ oder verhindert werden, wenn ein gewisses Grundvertrauen in die ordnungsgemäße IuK-Auftragserledigung unter BOS-Gesichtspunkten gewährleistet wurde und wird. Über einsatzbezogen zusätzlich machbare, und gleichzeitig beherrschbare IuK-Optionen; vom UKW-Datenfunk, über Amateurfunkfernsehübertragungen über beachtliche Distanzen (z.B. zum Stab), bis zu nationalen Kurzwellenweitverkehrsgrundlagen (für Sprache, eMail und Telefax) freut sich doch jede IuK-Fachgruppe.

      Und die technologischen IuK-Unterstützungsanforderungen (mit erforderlichen Realisierungsnotwendigkeiten) nehmen unter künftigen BOS-Gesichtspunkt eher noch zu als ab!

      Verfasst von Jupp Posipal | 2018-01-12, 15:19

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