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Meinung, Notfunk

Behörden, THW und Amateur-Notfunker im Dialog

Notfunk im Amateurfunk lebt. Wer’s nicht glauben mochte, musste nur am 23. Oktober 2014 ins dörfliche Erkheim-Schlegelsberg zum 2. Ottobeurer Notfunksymposium kommen, zu dem der DARC-Ortsverband Ottobeuren (T10) geladen hatte. Teilnehmer nicht nur aus Bayrisch- (und Württembergisch-) Schwaben fanden den Weg, sondern aus Bayern insgesamt, aus Rheinland-Pfalz und sogar ein Teilnehmer, der extra aus Köln angereist war.

Das Thema war die Kooperation mit Katastrophenschutz-Organisationen und -Behörden, also genau der Zielgruppe, von der es in Amateurfunk-Kreisen heißt, sie seien an einer Zusammenarbeit überhaupt nicht interessiert. So einfach scheint das nicht zu sein, oder vielleicht gehen auch nur im Freistaat die Uhren anders.


Jedenfalls wurde das bayerische Staatsministerium des Innern durch einen veritablen Regierungsdirektor, Herrn Ellmayer, vertreten, der einen sehr anschaulichen Vortrag über die Organisation des Katastrophenschutzes in Bayern und über die Rechtsgrundlagen hielt. Frank Prestel, Leiter der Fachgruppe Führung und Kommunikation beim THW in Kempten, stellte die Führungs- und Kommunikationsstruktur des THW vor und verdeutlichte sie anhand des Überschwemmungseinsatzes in Deggendorf. Und im Auditorium saßen Vertreter von Katastrophenschutz-Behörden im Umkreis, sowie ein Feuerwehrhäuptling mit imposanter Ordensbrust.

Auf der Amateurfunkseite stellte Peter, DB7MJ, die aktuellen und zukünftigen betrieblichen Möglichkeiten des als „König-Ludiwg-Notfunkrelais“ (ernsthaft …) bezeichneten Repeaters DB0OAL auf dem Tegelberg vor. Peter propagierte sehr stark D-STAR bzw. D-RATS als Datenübertragungsprotokoll, dass er für sehr viel geeigneter hielt als das alte Packet-Radio (hier kann man geteilter Meinung sein). Einige Anmerkungen zu möglicher Vernetzung zwischen Amateur- und BOS-Funk hätte ich weggelassen, einige meiner BOS-Kontakte hätten hier sehr allergisch reagiert. Manche technische Möglichkeit bleibt besser unerwähnt.

Karl, DL5MBU, stellte die Kooperationsvereinbarung bayerischer DARC-Distrikte mit dem THW vor. Aus Sicht des THW scheint hier die Nutzung technischer Expertise von Funkamateuren im Vordergrund zu stehen – bei der Errichtung von Funkstellen und Antennen, aber auch bei der Erstellung von EMV-Standortbeschreibungen. BOS-Ausbildungen werden den Funkamateuren angeboten, Lizenzkurse für THW-Angestellte in Aussicht gestellt. Gegenseitige Ansprechpartner werden bestellt. Versicherungsaspekte werden angesprochen und sind längst nicht so komplex, wie oft behauptet (im Katastropheneinsatz ist eigentlich jeder versichert, ob er nun einer Organisation angehört oder nicht). Das ist sicher ein sehr pragmatischer Ansatz – unsere Expertise ist gefragt, und auf welchen Frequenzen man den nötigen Funkverkehr abwickelt, ist zunächst einmal zweitrangig. Immerhin sind Amateurfunkfrequenzen für das THW eine weitere Redundanzebene in der Kommunikation.

Den angekündigten Vortrag über den „fiktiven Katastrophenfall – Beitragsmöglichkeiten des Amateurfunkdienstes auf KW/UKW“ ersetzte Dieter, DL9VD durch launige Anmerkungen zu den Schwierigkeiten, ein DARC-weites Notfunk-Handbuch auf die Beine zu stellen („ich wusste gar nicht, wie viel Blumen es im Amateurfunk gibt – Mimosen vor allem“).

Ein paar Anmerkungen aus meiner Sicht:

  • Sehr zu loben: ein Dialog, bei dem Funkamateure lernen, wo bei den Behörden und Organisationen der Schuh drückt. Weiter so, liebe Ottobeurer – für 2015 ist bereits ein weiteres Symposium geplant.
  • Was wir bieten können: Datenübertragung (Schrift, Bild), die den BOS so nicht zur Verfügung stehen.
  • Was wir sonst noch bieten können: weitgehende Unabhängigkeit bei Ausfall der Infrastruktur in einer Zeit, in der auch Katastrophenschutz-Organisationen immer abhängiger von dieser Infrastruktur werden.
  • Was wir insbesondere bieten können, aber hier gar nicht diskutiert wurde: viele Funkstellen in der Fläche, Funkstellen, die auch ohne weitere Vorbereitung zumindest zu Beginn einer Katastrophe auch ohne Infrastruktur funktionieren (Handfunkgeräte, Mobilfunkgeräte). Neben der organisierten Zusammenarbeit im Katastrophenschutz liegt hier die große Chance des Amateurfunkdienst. Von Nöten ist eine Grundausbildung möglichst vieler Funkamateure in den Grundlagen des Notfunks (was muss ich übermitteln, und wohin?). Hier ist der DARC insbesondere gefragt, Notfunkgruppen innerhalb der Hilfsorganisationen haben sich längst gebildet, wie auch hier bei uns in Ulm.
  • Team DARC?

Erwähnt wurde auch eine Organisation, die mir so noch nicht bekannt war: Team Bayern, eine Aktion des Bayrischen Roten Kreuzes. Hier (teambayern.info) können sich Menschen eintragen, die in Notfällen helfen wollen, aber nicht formales Mitglied in einer der Hilfsorganisationen, einer Mitgliedschaft, die oft mit Zwängen verbunden ist.

Das wäre doch auch etwas für Funkamateure, die ja auch oft die organisierte Hilfe in Notfunkgruppen scheuen: Team DARC. Wie beim BRK, so könnte man auch hier Interessierten Einführungsveranstaltungen anbieten, und Kompetenzen sammeln, ohne dass daraus eine formale Verpflichtung für den einzelnen erwächst.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Behörden, THW und Amateur-Notfunker im Dialog

  1. Hallo Hermann,
    danke für den guten Beitrag zur Veranstaltung. Leider muste ich ja schon etwas früher fahren. Aber ich denke, ich hab nichts mehr versäumt.
    Für mich als NOT-Funk Referent OV K12 Zweibrücken war der Vortrag von Herrn Ellmayer sehr aufschlussreich. Habe direkt mal unser KAT-Gesetz hier in RLP nachgeschaut, steht fast das gleiche drin. Nur noch schärfer. Alle Personen über 18 Jahren können im Kat-Fall herangezogen werden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Sachen.
    Also, goße Katastrophe, wie BlackOut, Funkamateure sind sofort dabei.
    Wie du schreibst:

    Von Nöten ist eine Grundausbildung möglichst vieler Funkamateure in den Grundlagen des Notfunks (was muss ich übermitteln, und wohin?). Hier ist der DARC insbesondere gefragt, Notfunkgruppen innerhalb der Hilfsorganisationen haben sich längst gebildet, wie auch hier bei uns in Ulm.

    Wir versuchen hier genaus dies in Zukunft zu tun. Jede Woche Donnerstags. Ausbildung.In unserer NOT-Funk Leitstelle DL0NRP . Siehe Bilder auf der Webseite. In den Räumen des THW Zweibrücken.

    http://www.cq.k12.de
    http://www.notfunk-leuchtturm.de
    Handbücher unter : http://www.notfunk-leuchtturm.de/Index.php?Technik:NOT-Funk_Handb%FCcher&normal
    und unter der Adresse http://www.cq-k12.de

    Ende Januar machen wir hier auch so ein Symposium….
    Bis dahin habe ich aber das sogenannte vermisste Konzept ( laut einigen OMs wärend der Veranstaltung) für den NOT-Funk geschrieben. Natürlich im Moment nur für unseren Bereich. Aber ich denke, das gilt für fast alle Bundesländer.
    Ich denke das wars für den Moment.

    73 Rolf DK4XI
    NOT-Funk Referent K12

    Verfasst von Rolf Behnke DK4XI | 24. November 2014, 8:23 pm
    • Hallo Rolf,
      danke für den Kommentar! Bitte sage doch Bescheid, wenn es einen Termin für Euer Symposium gibt. Und noch eine kleine Frage: warum schreibt Ihr NOT in Großbuchstaben? Steckt da noch ein Akronym dahinter?
      vy 73, Hermann

      Verfasst von Hermann Schumacher | 25. November 2014, 9:42 am

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